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Kuschelige Räuber auf Tour

Waschbären machen Probleme in Pegnitz - Tiere vermehren sich rasch
 Kuschelige Räuber auf Tour
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Nachts schlichen sie ums Haus der ehemaligen Kreisbäuerin Anna Brütting in Kosbrunn. Die Plane des Futtersilos am Waldrand bissen sie kaputt und machten sich an den Vorräten zu schaffen: Kleine gefräßige Waschbären. Die niedlichen Tiere gibt es bislang nur vereinzelt in Pegnitz und Umgebung. Doch sie könnten sich stark vermehren.

FRÄNKISCHE SCHWEIZ - Jetzt steht rund um das Silo ein Weidezaun. «Die ganze Plane haben wir neu gemacht», sagt Anna Brütting. Ihr Haus liegt am Waldrand - ideales Gebiet für Waschbären, die gerne in Laubmischwäldern Unterschlupf suchen.

Die kuscheligen Räuber mit der schwarzen «Zorromaske» im Gesicht sind «Exoten», wie Rudi Adler, Jagdsachverständiger des Landratamtes, sagt. «Sie machen bislang keine ernsthaften Probleme, aber sie sind auch nicht erwünscht.»

Spuren gefunden

Anna Brütting berichtet, sie sehe immer wieder Spuren. Die Jagdpächter sagen ihr, die Kleinbären seien schwer zu jagen. Und Kreisjagdberater Erwin Steiniger stimmt zu. Geschossen wurde in den vergangenen sechs Jahren keines der Tiere. Zwei starben im westlichen Landkreis Bayreuth bei Unfällen mit Autos.

Steininger kann nicht ausschließen, dass die Bären - wie 2002 in Kassel - zur Plage werden und dann nicht mehr an Futtersilos halt machen, sondern auch die Vorgärten und Mülltonnen plündern.

Sie graben Blumenzwiebeln aus und durchwühlen den Müll. Selbst im Stadtgetümmel und auf Dachböden wurden die Tiere mit dem buschigen Schwanz in Hessen schon gesichtet.

In der europäischen Waschbären-Hauptstadt Kassel haben viele Einwohner ihre Häuser schon fast in Festungen umgebaut, um die dreisten Eindringlinge abzuwehren. «Sie haben keine natürlichen Feinde», sagt Karl-Heinz Inzelsberger, Vorsitzender der Jägervereinigung Pegnitz.

Deswegen dürfen Waschbären auch ganzjährig geschossen werden. Ausnahme: Die Aufzuchtzeit der Jungen. Die Weibchen nisten sich gerne in verlassenen Dach- und Fuchsbauen oder hohlen Bäumen ein, um dort ihre Kleinen zu säugen.

Seinen Namen verdankt der Waschbär der Angewohnheit, die Nahrung gelegentlich im flachen Wasser zu spülen. Momentan, da sind sich Steininger und Inzelsberger einig, sind die Biber ein größeres Problem als die kleinen Bären, die ursprünglich aus Nord- und Mittelamerika stammen und 1930 erstmals in Hessen angesiedelt wurden.

Auch Biber sorgen für Ärger

Biber machen mit ihren Staudämmen den Bauern Ärger, weil so die Felder überfluten. Außerdem richten sie mit ihren großen Zähnen Schäden an Bäumen an.

Wenn der Waschbär aber anfängt sich hier aufgrund der Klimaerwärmung immer heimischer zu fühlen, könnte er sich rasch ausbreiten. «Die Tiere vermehren sich sehr schnell», warnt Steininger. Pro Wurf werden zwei bis acht Jungtiere geboren. Waschbären sind Allesfresser und machen sich deswegen gerne über das Gelege von Bodenbrütern her. Das kann die Zahl von Birk-, Hasel- und Rebhühner bedenklich schrumpfen lassen. Dann wäre eine nächtliche Expedition ins Futtersilo mit Sicherheit nicht mehr das größte Problem.

Claudia Freilinger
26.5.2007
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